
Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln.
Wenn sie groß sind, schenk ihnen Flügel!
Kahlil Gibran

Kinder brauchen Wurzeln und Flügel
In fast allen meinen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen war das Thema Familie in den letzten Wochen ein wichtiger Aspekt. Das hat mich zum Nachdenken über meine eigene Familie gebracht. Meine beiden Kinder sind mittlerweile Teenagerinnen, die alleine die Welt erkunden. Seit Beginn der Ferien waren wir alle vier insgesamt etwa einen Tag gemeinsam zu Hause. Jetzt freue ich mich darauf, dass in wenigen Tagen unsere kleine Familie wieder komplett sein wird.
Diese Zeit hat mir bewusst gemacht, dass uns als Eltern etwas gelungen ist, was uns von Anfang an wichtig war:
"Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel "(Goethe)
Doch was steckt eigentlich dahinter? Was ist mit Wurzen und Flügel gemeint?
Unter den Wurzeln verstehe ich zum einen das Urvertrauen, das ein Kind von seinen Eltern bekommt. Dieses positive Grundgefühl, dass die Welt sicher ist und man sich auf das Leben verlassen kann. Es entsteht in den ersten beiden Lebensjahren durch Liebe, Nähe und verlässliche Fürsorge. Im Laufe der Zeit kann es immer weiter ausgebaut und gestärkt werden. Wichtige Faktoren sind dabei unter anderem Verlässlichkeit, Rituale und Routinen, Schutz, Umgang mit Emotionen, Respekt vor den Eigenheiten des Kindes, Gesehen werden und Liebe.
Aber nicht nur das. Für mich sind es auch die Werte mit denen ein Kind aufwächst und die ihm helfen, das Leben nach seinen Bedürfnissen auszurichten und ihm Orientierung im Leben geben. Diese Werte werden Kinder von ihren Eltern durch Vorbildverhalten, aktiven Dialog und gemeinsames Erleben im Alltag weitergegeben. Wir zeigen ihnen Werte wie Respekt und Ehrlichkeit durch unser eigenes tägliches Handeln. In offenen Gesprächen über das, was uns wichtig ist, machen wir abstrakte Begriffe greifbar. Durch gemeinsame Erlebnisse und das spürbare Einstehen für Überzeugungen werden Werte im täglichen Zusammenleben verankert.
Dabei liegt es in unserer Verantwortung als Eltern, unseren Kindern Wurzeln mitzugeben, die in einer Zukunft wachsen können, die wir nicht kennen. In diesem Bewusstsein finde ich es sinnvoll, mir von Zeit zu Zeit die Werte bewusst zu machen, die ich selber leben und weitergeben möchte.
Diese Wurzeln sind also die Grundlage um fliegen zu können. Sie halten ein Kind nicht an einem bestimmten Ort, wie man bei dem Bild der Wurzel denken könnte. Wenn das Kind seine Flügel ausbreitet und ins Leben fliegt, sind sie bei ihm und geben ihm den Halt, den es braucht. Einerseits stark genug und andererseits nicht zu starr, damit sie nicht spröde werden und brechen.
Auch die Flügel entwickeln sich im Grunde von Anfang an. Sie sind für mich das Wissen unserer Zeit und alle Fähigkeiten, die man braucht, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Mit dem zunehmenden Alter der Kinder, werden diese Aspekte immer wichtiger. Für mich zählt die Fähigkeit, eigenständig und kritisch denken zu können zu einer der wichtigsten.
So kann ein Kind, das von seinen Eltern Flügel bekommen hat, losfliegen wohin es will. Die Richtung wird von ihm bestimmt und nicht von den Eltern.
Für uns Eltern ist das nicht immer leicht. Bedeutet es doch, dass wir unser Kind loslassen müssen und darauf vertrauen, dass Wurzeln und Flügel stark genug sind, um es in ein erfülltes Leben zu tragen.
„Was für eine Verschwendung wäre mein Leben ohne all die schönen Fehler, die ich gemacht habe.“
Alice Bag

Fehler bringen uns im Leben weiter
Können Fehler schön sein? Diese Frage stellt sich mir, wenn ich das Zitat von Alice Bag lese. Fehler tun weh oder sind zumindest unangenehm. Sollten wir nicht bestrebt sein, alles richtig zu und keine Fehler zu machen? Dann müssten wir uns auch nicht mit den unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen, die dadurch entstehen.
Warum Fehler so schmerzhaft sind:
Im Alltag wird es oft belohnt, wenn wir etwas schnell und richtig machen. Der Versuch wird oft nicht wertgeschätzt und als Scheitern abgetan, entweder weil wir selbst so denken oder uns diese Haltung von anderen aufgedrückt wird. Kritik, Vergleiche und Perfektionismus machen Fehler zu etwas, das wir verstecken wollen. Dabei fühlen sich Fehler schlecht an, weil wir viel auf sie geben und nicht, weil sie falsch sind.
Perspektivwechsel
Wir sollten Fehler als Daten betrachten und nicht als Identität. Damit ist gemeint, dass wir unterscheiden zwischen „Ich habe einen Fehler gemacht“ und „Ich bin ein Fehler“. Dadurch können wir lernen, Fehler als Feedback zu sehen. Sie teilen uns mit, was nicht funktioniert hat oder welche Annahme falsch war. So können wir aus Fehlern lernen. Statt zu sagen, „Wie doof von mir, dass ich die Hotelbeschreibung nicht genau gelesen habe und mein Hotel in einem Ort liegt, zu dem ich nicht wollte“ lässt sich daraus die Erkenntnis ziehen: „Dieses Missgeschick hat mir gezeigt, wie wichtig genaues Lesen, klare Kriterien und ein kurzer Check sind.“ Schön wird es dann, wenn ich feststelle, dass dieser Ort viel mehr zu bieten hat und ich glücklich bin, diese tolle Umgebung entdecken zu können.
Entscheidend ist also gar nicht der Fehler selbst, sondern das, was wir konkret daraus mitnehmen. Nicht nur die Emotionen, sondern wirkliche Erkenntnisse. Typische Lernergebnisse sind Klarheit, Selbstvertrauen, neue Fähigkeiten, bessere Entscheidungen und weniger Angst. Und nicht jeder Fehler ist sofort „schön“, aber man kann den Blickwinkel ändern und lernen, das Positive in der Erfahrung zu sehen.
Umgang mit Fehlern
Trotzdem müssen wir uns mit dem auseinandersetzen, was schiefgelaufen ist. Das kann in 5 Schritten geschehen:
Schritt 1: Klar und ehrlich benennen, was passiert ist. Ohne Ausreden!
Schritt 2: Verantwortung übernehmen an dem, was geschehen ist. „Was war mein Anteil?“
Schritt 3: „Welchen Nutzen kann der Fehler für mich haben?“ „Was zeigt er über meine Werte, Bedürfnisse oder
Grenzen?“
Schritt 4: Eine konkrete Alternative für das nächste Mal benennen.
Schritt 5: Freundlich zu sich selbst sein. Ein guter Satz dazu ist: „Ich lerne und das ist okay.“
Indem wir uns mit dem Fehler auseinandersetzen und die Verantwortung für den eigenen Anteil übernehmen, bleiben wir handlungsfähig. Dadurch müssen wir uns dafür auch nicht schämen. Scham macht einen Menschen klein. Du kannst schamfrei Verantwortung übernehmen.
Der schlimmste Fehler
Es gibt allerdings einen bestimmten Fehler, den wir möglichst gar nicht begehen sollten:
„Der schlimmste Fehler in diesem Leben ist, ständig zu befürchten, dass man einen macht.“ Elbert Hubbard
Das ist doch ein guter Grund, all die anderen „schönen“ Fehler im Leben zu machen und an ihnen zu wachsen.
„Beim Menschen ist es wie beim Fahrrad. Nur wenn er fährt, kann er bequem die Balance halten“
Albert Einstein

Fahrrad fahren
Es gibt anscheinend etwas, das ich mit Albert Einstein gemeinsam habe. Er war ein begeisterter Radfahrer und auch ich fahre liebend gerne mit dem Fahrrad. Das ist gut für uns beide, denn Fahrrad fahren hat viele positive Effekte. Nicht nur, dass man einfach und umweltschonend von A nach B kommt, sondern es fördert die körperliche, geistige und seelische Gesundheit.
Offensichtlich bietet sich Radfahren außerdem als gute Metapher für Lebensweisheiten an. Den oben zitierten Ratschlag schrieb Albert Einstein im Jahr 1930 an seinen Sohn Eduard, um ihn zu ermutigen, weiterzumachen und nicht in Grübeleien zu versinken.
Indem wir im Leben auch in schwierigen Zeiten immer weitergehen, egal wie klein die Schritte sind, finden wir zurück in die Balance. Das ist genau wie beim Fahrrad fahren. Sobald wir zum Stehen kommen, können wir das Gleichgewicht nur noch schwer halten. Treten wir dann wieder in die Pedale, gewinnen wir auch die Balance zurück, bis wir sie erneut mühelos halten können. Wieder in Fahrt zu kommen ist nicht immer ganz leicht, braucht manchmal ein wenig Zeit und auf jeden Fall Wille und Ausdauer. Manchmal ist auch ein kleiner Anschubser nötig, aber sobald wir abermals rollen geht es leichter. Wer schon einmal über Sandwege gefahren ist, weiß das ganz besonders. Es funktioniert nur, wenn man in einem kleinen Gang regelmäßig weiter tritt. Dabei muss man den Lenker festhalten, das Hinterrad kommt hinterher und stabilisiert sich von selbst. Am Ende ist man dann sehr froh, wenn das schwierige Wegstück überwunden wurde und der Untergrund endlich fest ist. Überträgt man diese Erfahrung auf sein Leben übertragen, hat man eine tragfähige Ressource, die einem durch viele Situationen hilft.
Es gibt ein weiteres Zitat von Albert Einstein zum Thema Fahrrad:
„Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr.“
Dies bezieht sich angeblich auf den Geistesblitz, der ihn zur Relativitätstheorie führte. Tatsächlich hat Bewegung viele positive Effekte auf unser Denken.
Forschungen zeigen, Bewegung trainiert das Arbeitsgedächtnis und verbessert so die Informationsverarbeitung. Sie stärkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Problemlösen und Treffen von Entscheidungen. Durch Bewegung wird der Kortisolspiegel gesenkt und Dopamin ausgeschüttet. Das führt dazu, dass Aufmerksamkeit und kognitive Flexibilität hochreguliert werden. Fahren wir nun in einer ruhigen Umgebung Fahrrad, kann der Geist die erhöhte Aufmerksamkeit und Flexibilität dafür nutzen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Er bekommt die Möglichkeit, kreativ zu werden und Problemlösungen anzugehen.
Für mich ist das ein guter Grund, mich in der nächsten Zeit besonders häufig in den Sattel zu schwingen, etwas für meine körperliche und seelische Gesundheit zu tun und dabei dann hoffentlich viele gute Ideen zu haben.
"Du bist mutiger als du glaubst, stärker als du scheinst und klüger als du denkst."
A. A. Milne

Trau dich, sei mutig!
Dieser Satz, den Christopher Robin zu Winnie Puuh im gleichnamigen Film sagt, spricht mich ganz besonders an. Er erinnert mich an eine Situation bei einer Fortbildung, die bestimmt schon 15 Jahre her ist. Diese Fortbildung erstreckte sich über mehrere Tage und wir hatten schon einige Zeit miteinander verbracht. Da sagte eine der anderen Frauen zu mir, dass sie es bewundere, wie mutig ich sei, weil ich alleine dorthin gefahren war und wegen einiger anderer Dinge, die ich von mir erzählt hatte. Ich war davon total überrascht und es fiel mir schwer, dieses Kompliment anzunehmen, da ich mich als nicht besonders mutig wahrgenommen hatte. Ich habe immer nur gemacht, was meiner Meinung nach nötig war. Bis dahin war mir überhaupt nicht bewusst, was Mut überhaupt bedeutet.
Was ist Mut? Mut, das ist die Bereitschaft, sich in eine unsichere Situation zu begeben, etwas zu tun, das mit einem Risiko verbunden ist. Dabei kann Angst eine Rolle spielen oder auch nicht, unabhängig davon ist sich der Handelnde des Risikos aber bewusst.
Wir alle sind in unserem Leben immer wieder mutig. Einige vielleicht mehr als andere, jedoch ist Mut wichtig, damit wir uns im Leben weiterentwickeln können. Wir beschreiten neue Wege und gehen über Grenzen hinaus, die nur scheinbar vorhanden sind. Ohne Mut sind wir nicht lebensfähig.
Mut hat viele Facetten und ist individuell, da jeder unterschiedliche persönliche Voraussetzungen hat, die mitentscheiden.
Menschen können lernen, mutiger zu sein. Mut lässt sich schrittweise trainieren, indem ich mich etwas Kleines traue, was ich vorher nicht gewagt habe. Schritt für Schritt führt das zu mehr Mut. Was jedoch immer erforderlich ist, ist eine mentale Bereitschaft. Ich entscheide mich dafür, mutig zu handeln.
Das Gute dabei ist, dass ich dann mit dem Ziel der Handlung beschäftigt bin. Ich konzentriere mich auf das, was ich erreichen möchte (bei mir war das vor einigen Wochen das andere Ende eines Kletterparcours) und bin dann nicht mehr auf das Risiko, das ich eingehe oder meine Angst fokussiert.
Mutige Menschen haben gelernt, mit einer inneren Ruhe ihr Potenzial zu entfalten. Sie kennen ihre eigenen Kräfte, haben Selbstvertrauen und Selbstsicherheit und können so auch risikoreiche Situationen meistern.
Damit ich nicht wieder vergesse, dass ich mutig bin, habe ich mir Vorbilder gesucht. Das sind Menschen, die schon das geschafft haben, was ich auch erreichen möchte und die vormachen, dass das Ziel lohnenswert und das Risiko vertretbar ist.
Und so begleitet mich der Spruch von Seneca: „Trau dich, sei mutig! Kein Übel ist so schlimm wie die Angst davor.“
"Deine Geschichte anzuerkennen und dich dafür zu lieben, ist das Mutigste, das du je tun wirst."
Brené Brown

Liebe dich und deine Geschichte!
Wenn ich innehalte und auf mein bisheriges Leben zurückschaue, dann sehe ich einen Fluss von unzähligen Momenten. Alles ist in Bewegung und ändert sich von Augenblick zu Augenblick. Da gibt es wunderschöne Erfahrungen und richtig gute Erlebnisse. Momente in denen ich dachte, so sollte es für immer bleiben. Aber so funktioniert das Leben nicht, es fließt weiter und natürlich sehe ich auch die schweren Zeiten, mit belastenden Ereignissen durch die etwas zerbrochen ist oder Narben entstanden sind. Körperliche Narben, aber auch Narben auf der Seele.
Beides, das Schöne und das Schwere, gehören unvermeidbar zum Leben dazu. Würde eine dieser Erfahrungen fehlen oder anders sein, wäre ich heute nicht die, die ich bin. Das weiß ich, aber das auch wirklich anzuerkennen und mich dann auch noch dafür zu lieben, ist dann noch einmal etwas anderes und ungleich schwieriger.
Ich finde es ermutigend, dass Brené Brown herausstellt, welch großen Mut es braucht, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und sich sogar dafür zu lieben. Sie sagt, es sei das Mutigste, das man je tun werde. Damit bekommt es noch einmal ein ganz anderes Gewicht, sich auf den Weg der Selbstliebe zu machen und sich mit dem Schmerz und allen anderen Gefühlen, die auftauchen auseinanderzusetzen. Das Akzeptieren der Gefühle als Teil des Lebens braucht Mut, führt aber zu Heilung und einem inneren Wachstum. Es ist etwas, worauf man stolz sein kann!
Als Bild dafür gefällt mir das japanische Kintsugi. Bei dieser Reparaturtechnik wird zerbrochene Keramik wieder zu einem neuen Ganzen zusammengesetzt. Hierbei werden die Bruchstellen nicht versteckt, sondern mit echtem Gold bedeckt und dadurch hervorgehoben. So dienen sie als Symbole für Wachstum, Transformation und Stärke. Dieser Prozess der Restauration wird mit viel Geduld und Sorgfalt ausgeführt und benötigt immer wieder Zeit, damit die Verbindungen aus Reiskleber und Urushi-Lack aushärten und die Brüche stabilisieren können. Das verdeutlicht, dass Transformation in scheinbar stillen Momenten geschieht und viele Prozesse ihre Zeit benötigen.
„There is a crack in everything, that´s how the light gets in.“ Leonard Cohen
Ein weiterer Schritt ist es nun, diese schwierigen Zeiten nicht nur anzuerkennen, sondern auch noch Sinn und Schönheit darin zu finden. Wir können erkennen, dass wir in der Lage sind, schwierige Zeiten zu überstehen und aus ihnen Kraft zu schöpfen. Trotz aller Schwere entstehen neue Fähigkeiten, bleiben wertvolle Erinnerungen und Lernerfahrungen wirken weiter und inspirieren.
Schönheit und Stärke liegen nicht in der Perfektion, sondern in unserer Einzigartigkeit, unserer inneren Haltung und dem Mut mit Klarheit und Sinnhaftigkeit nach vorne zu blicken und in eine neue Lebensphase zu gehen.
„Man kann nicht gut denken, lieben oder schlafen, wenn man nicht gut gegessen hat.“
Virginia Woolf

Essen ist Selbstfürsorge!
Ich liebe gutes Essen!
Als absolutes Dorfkind bin ich mit frisch gekochten Mahlzeiten aufgewachsen, bei denen oft die Zutaten im eigenen Garten geerntet wurden. In Beeten und im Gewächshaus gab es verschiedenes Gemüse und diverse Kräuter. Das Obst von Bäumen und Sträuchern wurde eingefroren oder zu Marmelade verarbeitet. Und hinter dem Haus stand der Hühnerstall mit fünf oder mehr Hühner, die uns mit Eiern und Fleisch versorgten.
Heute ist es für mich selbstverständlich, so viel wie möglich frisch und mit guten Zutaten zu kochen. Das Gemüse kommt dabei überwiegend aus dem Supermarkt, aber verschiedene Kräuter aus dem eigenen Garten verfeinern unser Essen. Obst zum Naschen haben wir auch.
Für mich ist es unvorstellbar, einen Tag ohne ein richtiges Frühstück zu beginnen oder das ausgewogene Mittagessen ausfallen zu lassen. Meine Erfahrung zeigt, dass ich dann einfach nicht richtig funktioniere. Ich kann dann nicht gut denken, bin schnell gereizt und hungrig schlafen funktioniert für mich schon gar nicht.
Was ist die richtige Ernährung?
Das ist aber nicht nur bei mir so. Unser Körper braucht ausreichend Energie und Nährstoffe, um effizient und reibungslos zu funktionieren.
Es gibt unzählige verschiedene Ernährungsformen und bei vielen davon behaupten deren Verfechter, dass sie die einzig Richtige sei. Dem ist natürlich nicht so.
Wie die perfekte Ernährung für den einzelnen Menschen aussieht, kann man pauschal nicht sagen.
Grundlagen der Ernährung
Es gibt jedoch Grundlagen, auf die wir uns stützen können, um uns gesund zu ernähren. Eine davon ist, dass unser Organismus evolutionär auf die Zufuhr von Kohlenhydraten eingestellt ist. Besonders das Gehirn benötigt davon ausreichend, um optimal zu funktionieren. Bekommt es die Glucose nicht aus den Kohlenhydraten, die wir mit der Nahrung aufnehmen, zieht es sie aus anderen Bereichen ab und versetzt damit den Körper in Stress.
Kohlenhydrate sind also unsere Hauptquelle für schnelle Energie. Sie versorgen Muskeln und Gehirn schnell mit Energie. Es gibt einfache Kohlenhydrate, die meist süß sind, und komplexe, die eher neutral schmecken.
Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln, Pellkartoffeln, Hülsenfrüchte und buntes Gemüse enthalten viele komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Sie sorgen für eine stabile Energie und verhindern so Heißhunger-Attacken. Dagegen sorgen Lebensmittel, die aus einem hohen Weißmehlanteil bestehen oder viel Zucker enthalten dafür, dass der Blutzucker schnell ansteigt und oft genauso schnell wieder abfällt und man somit in ein Energieloch geschickt wird.
Ballaststoffe sind weitgehend unverdauliche Stoffe, die eine wichtige Rolle für unsere Verdauung spielen und unter anderem das Mikrobiom im Darm füttern. Sie sorgen für die wichtigen beruhigenden Signale, die über die Darm-Hirn-Achse unser Wohlbefinden fördern.
Neben Kohlenhydraten und Ballaststoffen enthalten die eben genannten Lebensmittel auch eine Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren, die für viele Prozesse im Körper wichtig sind.
Aus Aminosäuren sind Eiweiße aufgebaut. Eiweiß ist ein überlebenswichtiger Baustoff und das gilt nicht nur, weil es für den Aufbau von Muskeln zuständig ist. Aminosäuren sind wichtig für das Immunsystem, den Zellaufbau, die Produktion von Enzymen und Hormonen und sie übertragen Nervenreize. Deshalb ist eine ausreichende Aufnahme von Eiweißen unverzichtbar. Dies sollte durch eine Kombination verschiedener proteinreicher Lebensmittel erreicht werden. Neben tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier können das auch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Haferflocken oder Soja sein. Goldhirse, Quinoa und Buchweizen zum Beispiel haben eine gute Bioverfügbarkeit von Eiweiß und enthalten komplett alle essentiellen Aminosäuren.
Die Hauptenergielieferanten in unserer Ernährung sind Fette. Sie bestehen aus verschiedenen Fettsäuren. Der Anteil und die Qualität der Fettsäuren in unserer Nahrung sind von großer Bedeutung. Zu den Lebensmittel, die reich an gesunden Fettsäuren sind, gehören Chiasamen, Fisch, Bohnen, Avocado, hochwertige Öle und Nüsse. Für uns schädlich sind Transfettsäuren, die in Fertigprodukten enthalten sind oder durch falsches Erhitzen von Ölen entstehen.
Was das für mich bedeutet
Gesunde Ernährung ist immer eine Frage der Balance. Die oben genannten Lebensmittel sind Beispiele, aus denen sich leckere und einfache Mahlzeiten zusammenstellen lassen. Essen sollte unkompliziert sein und uns nicht stressen. Es muss nicht perfekt sein, sondern kann auch manchmal einfach dazu dienen, die Seele zu nähren. Wichtig ist meiner Meinung nach, über die Woche möglichst viele unterschiedliche Lebensmittel zu verwenden, genug Gemüse und auch Obst zu essen und weitgehend auf hoch verarbeitete Produkte zu verzichten.
"Tu das, was du für richtig hältst, es wird immer jemanden
geben, der anders denkt."
Michelle Obama

Die Kunst, die eigenen Entscheidungen zu treffen
Du musst das jetzt aber so machen!
Wie oft habe ich diesen Satz gehört. Schon als Kind wurde mir oft erzählt, wie es richtig ist und was gut für mich ist. Und so würde es auch weitergehen, jetzt wo ich erwachsen bin – wenn ich mir das gefallen lassen würde. Als Kind habe ich dann oft einfach das Gegenteil gemacht, nur aus Prinzip. Das ist natürlich keine so gute Lösungsstrategie. Heute tue ich das, was ich für richtig halte, was meinen Werten entspricht und für mich Sinn ergibt. Auch wenn das nicht immer leicht ist.
Es gibt so einige Menschen, die den Kopf schütteln und meine Entscheidung, mein Leben zu verändern und meine Beamtenstelle zu verlassen, nicht verstehen können. Da diese Menschen aber nicht in meiner Haut stecken, können sie auch nicht wissen, was richtig für mich ist.
Was ist das Richtige?
Überhaupt finde ich es unheimlich schwer zu beurteilen, was das Richtige für andere Menschen ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lösung in einem selbst liegt und jeder ganz alleine herausfinden muss, was richtig für einen ist. Natürlich ist es wertvoll, sich verschiedene Perspektiven anzuhören, Rat zu holen von Menschen, die einen kennen oder die Experten sind und dann selbst zu entscheiden. Meine jetzige Aufgabe sehe ich darin, Menschen auf dem Weg zu solchen Entscheidungen zu begleiten, Impulse zu geben, Fragen zu stellen, Perspektiven zu öffnen und niemals zu urteilen oder zu bewerten.
Warum es schwierig ist andere Meinungen auszuhalten
Diese Entscheidung dann aber gegen die Meinung von jemand anderes zu treffen, besonders wenn diese Person uns wichtig ist, ist nicht ohne. Denn Zustimmung freut uns und tut uns gut. Das sogenannte Belohnungssystem im Gehirn springt an, Dopamin wird freigesetzt, ein gutes Gefühl stellt sich ein und damit wird diese Meinung bestärkt. Entscheiden wir uns jedoch dagegen, gehen wir das Risiko eines negativen Feedbacks ein. Wir haben alle eine gewisse Angst vor Ablehnung. Dies ist ein tief sitzendes psychologisches und evolutionäres Phänomen. Diese Angst hat ihre Wurzeln im biologischen Überlebensinstinkt und in frühen zwischenmenschlichen Erfahrungen. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass Ablehnung im Gehirn dieselben Schmerzregionen aktiviert wie eine körperliche Verletzung. Das ist nicht für jeden ein Problem, da durch unterschiedliche Erfahrungen in der Kindheit, der Selbstwert auch verschieden ausgeprägt ist.
Der Selbstwert spielt eine wichtige Rolle
Es gibt also Menschen, denen fällt es nicht schwer, eigene Entscheidungen zu treffen. Deren Selbstwert ist unter anderem durch Geborgenheit, die Förderung von Selbstwirksamkeit und wertschätzende Kommunikation in der Kindheit stark. Hier gibt es viele kleine Bausteine, die zusammenwirken.
Das ein guter Selbstwert nicht allen gegeben ist, stellte schon Marc Aurel im 2. Jahrhundert fest: „Ich bin immer wieder überrascht, wir sehr wir uns selbst lieben, aber viel mehr Wert auf die Meinungen anderer statt auf unsere eigenen legen … Wie viel mehr Glauben schenken wir Meinungen, die andere über uns haben, und wie wenig unseren eigenen!“
Mir geht es auch immer wieder so. Obwohl ich mich nach meinem eigenen Kompass richte und das tue, was ich für richtig halte, merke ich, wie sich plötzlich die Meinungen anderer in mein Denken schleichen, wie ich lieber anderen negativen Stimmen glaube. Dann fühle ich mich schlecht.
Wege zur eigenen Entscheidung
Was mir dann hilft ist zunächst einmal Achtsamkeit.
„Achtsamkeit ist nichts anderes als Aufmerksamkeit. Eine Haltung des Gewahrseins voller Respekt und frei von Wertungen.“ Jack Kornfield
Das bedeutet, ich muss aufmerksam sein und erkennen, dass dies nicht meine eigenen Gedanken sind. Ich akzeptiere diese Gedanken, spüre was sie mit mir machen und bin mir bewusst, dass ich nicht meine Gedanken bin. Ich trainiere regelrecht, meine Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen und denke dann darüber nach, ob ich das Richtige tue.
Weiter hilfreich ist ein angemessener Umgang mit Kritik. Ich sortiere Kritik für mich in hilfreich, neutral oder destruktiv. Das Hilfreiche übernehme ich sofort in meine Überlegungen, Neutrales speichere ich für später und Destruktives ignoriere ich oder reagiere kurz mit „Danke für dein Feedback – das nehme ich mit.“
Meistens baue ich mir einen zeitlichen Puffer ein. Ich reagiere nicht sofort, sondern mache einen kurzen Spaziergang, beziehungsweise ich warte mindestens 24 Stunden, bevor ich etwas ändere. Bei einer ganz emotionalen Reaktion schreibe ich auch schon mal eine erste Antwort auf, die ich aber nicht abschicke, sondern später wieder lösche. Sie dient nur dazu, meine Emotionen ohne unerwünschte Konsequenzen zu entlassen.
Manchmal, bei unklarer Kritik, bitte ich auch um eine Konkretisierung: „Kannst du ein Beispiel nennen?“.
Mit der Entscheidung leben
Nach schwierigen Entscheidungen ist häufig Selbstfürsorge notwendig. Da kann das Tagebuch schreiben hilfreich sein, Kontakt mit dem eigenen Support-Netzwerk oder einfach mal die kleinen Erfolge zu feiern!
Und sollte sich die Entscheidung dann doch mal als nicht so gut erweisen, kann sie immer noch ein Lernanlass sein. Nach dem Prinzip „Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas anderes“, fange ich einfach wieder von vorne an.
